Voller Erfolg der Bad Wildunger Fenstertage

17.11.2017. Anfang November trafen sich über 130 Teilnehmer/innen anlässlich der Bad Wildunger Fenstertage. Im Vordergrund stand der Austausch und der Wissensgewinn, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Die diesjährigen Fenstertage können einen neuen Rekord verbuchen: So nahmen in diesem Jahr sowohl mehr Tischler, als auch mehr Aussteller an der Veranstaltung teil.
Plenum
Volles Haus bei den Bad Wildunger Fenstertagen: Erneut konnte ein Teilnehmer- und Ausstellerrekord verbucht werden (Foto: hessenTischler). 

Seit über 40 Jahren sind die Fenstertage in der Holzfachschule ein fester Bestandteil der Verbandsarbeit. In den Anfängen Herbstarbeitstage genannt, später als Hessische Fenstertage und heute als Bad Wildunger Fenstertage bezeichnet, werden diese von den Fensterbauern als sehr wertvoll bezeichnet. Zur Tagung konnten nicht nur Fensterbauer aus Hessen, sondern auch aus Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und sonstigen angrenzenden Bundesländern begrüßt werden. Die Besonderheiten der Bad Wildunger Fenstertage sind ihre Praxisnähe, ihr Erfahrungsaustausch, ihre Aktualität und die Beliebtheit bei den ausstellenden Zulieferern.

Der Ausschuss Fenster und Fassade im hessischen Fachverband Leben Raum Gestaltung legt bei der Auswahl der Vortragsthemen und Referenten stets viel Wert auf Aktualität, Neutralität und Hochwertigkeit. Damit konnte auch in diesem Jahr wieder gepunktet werden. So gelang es den Vortragenden – dem Fachanwalt Robert Schulze, Benjamin Standecker, Dr. Dirk Lukowsky und Thorsten Moortz – das Publikum von ihren Themen zu überzeugen. Nicht zu vergessen sind die Kapazitäten aus den eigenen Reihen, die mit Michael Bücking, Andreas Bognanni und Ralf Spiekers als Experten ihres Fachs bezeichnet werden können.

Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Robert Schulze referierte in seinem Vortrag über die Reform des Bauvertragsrechts. Ab 2018 können Handwerker nach § 445a BGB bei mangelhafter Ware ein Rückgriffsrecht gegenüber dem Lieferanten in Anspruch nehmen, die auch die Ein- und Ausbaukosten beinhalten. Nach § 632 BGB darf der Besteller bei wesentlichen Mängeln nur noch den geschuldeten Abschlag in Höhe der Beseitigungskosten einbehalten.

Dr. Dirk Lukowsky vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung beleuchtete in seinem Workshop Untersuchungsstrategien und Methoden bei der Schadenanalyse von Fenstern. Oft geht es bei Mängeln an Oberflächen bei Fenstern um den Nachweis der Mangelfreiheit. Dazu werden Sachverständige eingeschaltet, deren Nachweisverfahren häufig ungeeignet sind. Mit dem vorgestellten Fluoreszenz-Verfahren können auch ohne Zerstörung Nachweise geführt und manche kostspieligen Nachbesserungen vermieden werden.

Zum Thema Thermografie und BlowerDoor-Prüfungen stellte Bauphysiker Benjamin Standecker dem Publikum vor, wie Thermografien und Blowerdoortests genutzt werden, um dem Fensterbauer undichte Fenster nachzuweisen. Dabei gilt es, die Messmethode und die eingesetzten Geräte zu hinterfragen und Interpretationsmöglichkeiten zu kennen. Hier hat der Referent Klarheit ins Dunkle gebracht, damit sich Handwerker nicht durch beeindruckende bunte Bilder und Gerätschaften in die Defensive treiben lassen.

Thorsten Moortz zeigte den Teilnehmern auf, wie „Verkauf mal ganz anders..." funktionieren kann. Facebook und Co sind bei Handwerkern immer noch wenig genutzte Tools und Betriebe meinen, der Mehrwert sei eher gering. Moortz veranschaulichte, mit welchen Maßnahmen und Unterstützungen auch der kleine Handwerksbetrieb durch den richtigen Einsatz sowohl Kunden als auch Mitarbeiter gewinnen kann.

Ralf Spiekers, Abteilungsleiter Technik, Normung und Arbeitssicherheit bei Tischler Schreiner Deutschland stellte die aktuellsten Informationen aus dem Bereich Normen und Regeln vor, die das Tischlerhandwerk betreffen. Spiekers erläuterte die Änderungen in der Musterbauordnung und an welcher Stelle relevante Informationen mit der Novellierung in den Landesbauordnungen stehen werden. Mit dieser Kenntnis wird die Anwendung der zukünftigen HBO erleichtert.

Tischlermeister und ö.b.u.v. Sachverständiger Michael Bücking von hessenTischler ergänzte die Workshops mit dem Thema „Vermeidbare Reklamationen" und erläuterte Fälle aus der Sachverständigenpraxis im Fensterbau. Bei Oberflächenschäden an Fenstern und Außentüren liegt die Ursache häufig bei der unzureichenden Aufklärung des Kunden durch den Fensterbauer. Dann ist es wichtig, dass der Auftraggeber die Grenzen der Einsatzgebiete von Oberflächenmaterialien, wie beispielsweise bei schwarzen und hellen Lasuren, kennt und den Kunden entsprechend in Kenntnis setzt.

Wie die Befestigungsrichtlinie von Tischler Schreiner Deutschland in der Praxis angewendet wird, stellte Andreas Bognanni, betriebstechnischer Berater hessenTischler, vor. Nach der Veröffentlichung des Tabellenbuchs „Systemstatik zur Fensterbefestigung" für den Sonderfall 1 des „Leitfadens zur Montage", wurden von den Fachverbänden Schulungen durchgeführt, die zeigten, dass die Anwendung des Tabellenbuchs ohne Einweisung nicht möglich ist. Im Workshop wurden die ersten Erfahrungen diskutiert und Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Austausch
Neben Vorträgen und Workshops boten die Bad Wildunger Fenstertage auch viele Gelegenheiten zum Austausch unter den Teilnehmenden (Foto: hessenTischler). 

Noch gerät die Tagung nicht an ihre Kapazitätsgrenzen, weshalb die Verantwortlichen die Erweiterung der Teilnehmerzahlen für 2018 anstreben. Die Bad Wildunger Fenstertage finden 2018 am 08. und 09. November statt und sollten in Mitteldeutschland für Fensterbauer, sowie für Tischler und Schreiner die Fenster und Haustüren montieren, zum festen Fortbildungsbestandteil werden.

Betriebe und Aussteller, die sich schon jetzt für die Tagung interessieren, können sich mit Ulrich Leber telefonisch 05621 7919-76 oder via E-Mail (leber@tischler-hessen.de) in Verbindung setzen.