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Leichenschau verbessern

Probleme bei der Leichenschau betreffen nicht nur die Polizei, sondern auch Bestatter. Formelle Fehler beim Ausstellen des Totenscheins, keine Kenntnis über eine Infektion der Leiche oder wenn der Arzt, ein Verbrechen nicht erkannt und auf Leichenschauschein „natürlicher Tod“ angekreuzt hat. Deshalb fordert der Hessische Landesinnungsverband der Bestatter eine qualifizierte Leichenschau und diskutierte zum Thema beim 13. Hessischen Bestattertag. 

 

Nach dem Tod eines Menschen muss eine Leichenschau durchgeführt werden. Dazu ist jeder Arzt verpflichtet, egal ob Haus-, Augen- oder Kinderarzt. Seine Aufgabe ist es, den Tod festzustellen und den Totenschein auszufüllen. Dann kann der Leichnam vom Bestatter mitgenommen werden.

 

Doch oft können diese Ärzte die Leichenschau nicht qualifiziert durchführen. Darin waren sich Dr. Peter Neumann (Abteilungsleiter Kinder- und Jugendmedizin beim Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt), Prof. Dr. Marcel Verhoff (Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt) und Hermann Hubing (Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Bestattungskultur) einig. Nicht jeder Arzt ist für die Leichenschau ausgebildet und es fehlt die Expertise, die Pathologen oder Gerichtsmediziner besitzen.

 

Modellprojekt in Frankfurt

In Frankfurt wurde deshalb ein Modellprojekt initiiert, bei dem qualifizierte Ärzte zur Leichenschau kommen. Sie kennen die „Alarmzeichen“, die auf einen nicht natürlichen Tod hinweisen, wodurch z.B. Verbrechen oder Krankheiten aufgedeckt werden können.

Die Forderung dies grundsätzlich zu machen und damit die Leichenschau qualitativ zu verbessern, stößt bei den Bestattern auf Anklang. Denn ob der Leichnam infektiös ist oder nicht, spielt für den Bestatter bei der Versorgung eine wichtige Rolle.

Doch die gesetzliche Festlegung der qualifizierten Leichenschau ist problematisch. Thomas Metz, Staatssekretär im Hessischen Justizministerium, wies darauf hin, dass bei diesem Thema viele Interessenlagen zusammenkommen: die der Polizei, des Gesundheitsamts und der rechtsmedizinischen Institute. Ein Gesetzentwurf der Landesregierung greift die Thematik auf. Mit der Neuregelung ist im Herbst zu rechnen.

 

Die Vielfältigkeit des Themas erfordert auch die Fortbildung der Ärzteschaft. Nicht zur Diskussion steht, „wie die Leichenschau verbessert werden kann“, so Verhoff. Es müssen Kriterien entwickelt werden, wann die Polizei einzuschalten ist. Eine Qualitätsverbesserung zeigt das Vorgehen in Frankfurt, erläutert Neumann.

 

Datenschutzrecht, Friedhöfe und Online-Auftritt

Neben der Leichenschau beschäftigten sich die Bestatter beim Branchentreff auch mit der im Mai in Kraft tretenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). David Oberbeck von der Datenschutzkanzlei aus Hamburg stellte vor, was Bestattungsunternehmen hinsichtlich der Datenspeicherung beachten müssen.

Was auf hessischen Friedhöfen los ist, untersuchte Martin Venne von PlanRat. Er präsentierte die Umfrageergebnisse zu den Strukturdaten, aus denen sich auch eine Veränderung der Bestattungskultur ableiten lässt. So steige die Nachfrage nach Gräbern ohne Verpflichtungen zur Grabpflege, wie z.B. Urnengräber.

 

Wie Bestatter ihren Online-Auftritt wirksam gestalten können, zeigte Rolf Wagner von der Rapid Data GmbH. Ob Bestatter-App, Online-Beratungsmappe oder ein digitales Trauerportal, es bieten sich vielfältige Möglichkeiten. Dabei ist die Zielgruppe, z.B. die Trauergemeinschaft oder Vorsorgende, im Blick zu behalten.

 

Vernetzen und austauschen

Zum 13. Hessischen Bestattertag kamen zahlreiche Bestatter nach Bad Wildungen. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernahm der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Den gut besuchten Branchentreff eröffneten hochkarätige Gäste: der Staatssekretär im Hessischen Justizministerium Thomas Metz, der Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg Dr. Reinhard Kubat, der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden Klaus Repp, der Präsident des Fachverbands Leben Raum Gestaltung Hessen/Rheinland-Pfalz Stefan Zock und der Vorsitzende der Bundesfachgruppe der Bestatter Franz-Josef Grundmann.

Veranstalter ist das Deutsche Institut für Bestattungskultur (DIB) gemeinsam mit dem Landesinnungsverband für das hessische Bestattungsgewerbe, hessenBestatter. Angesprochen waren alle Bestattungsunternehmen Deutschlands, insbesondere Mitgliedsbetriebe von hessenBestatter.

 

PAX 2019

Im nächsten Jahr wird der Hessische Bestattertag im Rahmen der Messe PAX in Gießen vom 26.-28. April 2019 stattfinden.