Einstimmig hinter dem neuen Verband

Das hätte noch vor einem Jahr kaum jemand zu hoffen gewagt: In großer Einmütigkeit billigten die Delegierten die Jahresschlussrechnungen für 2017, entlasteten Vorstand und Geschäftsführung und verabschiedeten die Beitragsordnung sowie den Haushaltsplan für das Geschäftsjahr 2019.

 

War dieses Harmoniestreben vielleicht vordergründig der Konzeption der Macher (und -innen) der diesjährigen Delegiertenversammlung geschuldet, die getreu dem altrömischen Motto panem et circenses (Brot und Spiele) am Vortag der Veranstaltung zur Besichtigung der Marksburg in Braubach sowie zu einer zünftigen Weinprobe mit Winzervesper geladen hatten – spätestens nach der Präsentation der von den Steuerberatern Sarah Jung und Joachim Strauch interpretierten Zahlen von Verband und Service-Gesellschaften sowie dem verbandspolitischen Geschäftsbericht von Hauptgeschäftsführer Hermann Hubing war klar, dass es hier wenig zu kritisieren gab.

So war es einerseits gelungen, im Jahr 1 vor der Fusion nicht nur die Mitgliederzahlen entgegen dem allgemeinen Trend leicht zu steigern (den Bestattern sei Dank!), sondern darüber hinaus auch in Hessen sowie in Rheinland-Pfalz das Verbandsvermögen merklich zu vermehren.

 

Dass dabei auch nicht die inhaltliche Arbeit zu kurz kam, belegte Hubing beispielhaft anhand der Themenbereiche „Novellierung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes“, „Datenschutzgrundverordnung“, „Cyber-Sicherheit“ und „Digitalisierung“. Zwar begrüße das Tischlerhandwerk grundsätzlich, dass die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz „Meisterprämien“ ausloben als Weg in die richtige Richtung hin zu mehr Gleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung. Allerdings sei die Begrenzung “Landeskinder“, die auch vor einem Meisterprüfungsausschuss im jeweiligen Bundesland ihre Prüfung ablegen, wettbewerbsfeindlich und abzulehnen. Seine diesbezügliche Hoffnung setzt Hubing in die Umsetzung des Koalitionsvertrages, der durch eine Änderung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes die Übernahme der Lehrgangskosten bei erfolgreichen Meisterschülern vorsieht. Dies würde zu einem Ende der förderungspolitischen Kleinstaaterei führen. Allerdings werde dieser gesetzgeberischen Initiative von Seiten der Koalitionäre nicht die erste Priorität eingeräumt.

 

Eingehend auf die aktuelle „DSGVO-Hype“ erläuterte Hubing die zahlreichen Angebote des Verbandes an die Mitgliedsunternehmen, die nur sehr spärlich wahrgenommen wurden. Viele Kollegen hätten offenkundig noch nicht realisiert, dass partiell durchaus eine Bedrohung durch die neuen Sanktionsmöglichkeiten besteht. Diese sei jedoch weniger durch die Landesdatenschutzbehörde oder aufgrund Beschwerden von Seiten unzufriedener Kunden oder Mitarbeiter als vielmehr durch professionelle Abmahnvereine bzw. -anwälte gegeben. Hier müsse auch angesetzt werden. Er sei guten Mutes, dass eine Gesetzesinitiative mit dem Ziel, Schadensersatzforderungen durch Abmahnvereine zu verhindern, erfolgreich sein werde.

 

Im Zusammenhang mit der Datenschutzproblematik ging Hubing noch kurz auf die Allianz für Cyber-Sicherheit ein. Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei der Verband dieser Allianz beigetreten – als „Frucht“ dieser Zusammenarbeit sei geplant, dass ein Referent des BSI im Rahmen

der Obermeistertagung am 23.11.2018 über Gefahren und Abwehrmechanismen in diesem sowohl für Unternehmen als auch die organisierte Kriminalität zunehmend wichtigeren Bereich zu informieren.

 

Schließlich ging Hubing auch auf die Thematik der Digitalisierung ein. Hier beabsichtige der Verband, die Holzfachschule Bad Wildungen zu einem bundesweit agierenden Kompetenzzentrum für die Digitalisierung im Tischlerhandwerk zu positionieren. So habe die Schule bereits in diesem Zusammenhang Zuschüsse von Seiten des Bundes für Ausstattungsinvestitionen in Höhe von rd. 1,2 Mio. Euro erhalten und zurzeit laufen Gespräche mit anderen „Playern“ um u.a. Schulungen für Fachlehrer und Ausbilder in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung sowie eine Überwindung der Schnittstellen bei der Digitalisierung der Verfahrensabläufe vom Marketing bis zur Nachkalkulation des Auftrages zu entwickeln.

 

Abschließend betonte der Hauptgeschäftsführer, dass der Verband – nicht zuletzt aufgrund der Fusion - aktuell finanziell wie personell sehr gut aufgestellt und politisch hervorragend vernetzt sei. Hierdurch sei er in der Lage, für die Betriebe ein attraktives Dienstleistungsangebot vorhalten zu können und auf neue Herausforderungen nicht nur reagieren können, sondern frühzeitig agieren und die Zukunft mitgestalten zu können.

 

Voraussetzung und Garant hierfür sei eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt. Er dankte deshalb ausdrücklich sowohl diesen als auch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die starke Unterstützung und konstruktiv-kritische Begleitung.