Werkstatt-Dialog und Netzwerkpflege in Holzappel

Zum traditionellen Frühjahrsempfang des rheinland-pfälzischen Tischlerhandwerks kamen am Samstag rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Innungsbetrieben, Handwerksorganisationen und Politik in den Hallen der Schwarz Fensterbau GmbH in Holzappel zusammen. In der authentischen Werkstattatmosphäre des seit über 400 Jahren bestehenden Familienunternehmens standen Austausch und Impulse zwischen Handwerk und Politik sowie das persönliche Gespräch im Kollegenkreis im Mittelpunkt.
Landesinnungsmeister Stefan Zock eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf die aktuelle Lage in Deutschland. Er kritisierte den Reformstau und forderte spürbare Fortschritte beim Abbau von
Bürokratie. Zugleich hob er die Leistungsfähigkeit der Betriebe seines Landesverbandes hervor und warb dafür, dass sich Politik und Verwaltung am Handwerk orientieren sollten, wenn es um Tempo,
Pragmatismus und Umsetzung geht.
Als Gastgeber begrüßte Thilo Schwarz die Gäste in den Räumlichkeiten seines Familienbetriebs. In seinem Rückblick spannte er den Bogen über elf Generationen Unternehmensgeschichte und betonte,
dass Liebe zur Qualität und ständige Weiterentwicklung zusammengehören. Der Leitsatz „Innovation aus Tradition“ sei dabei Orientierung und täglicher Auftrag.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand der Vortrag von Daniela Schmitt, Staatsministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau. Unter dem Titel „Regional. Nachhaltig. Wirtschaftlich stark“ griff sie die zuvor formulierte Kritik konstruktiv auf. Sie verwies auf erreichte Fortschritte, benannte aber zugleich zukünftige Handlungsfelder der Politik. Entscheidend seien Mut und ein konsequenter Abbau unnötiger Regeln, damit Betriebe ihre Stärken aus Tradition und Innovation weiter ausspielen können. Die Ministerin betonte die wachsende gesellschaftliche Wertschätzung für das Handwerk und stellte heraus, dass technologischer Fortschritt und Digitalisierung gerade für das Tischlerhandwerk Chancen bieten. Schmitt machte sich zudem für die Gleichwertigkeit von Handwerk und Studium stark.
In den anschließenden Grußworten würdigte Landrat Jörg Denninghoff die Rolle des Handwerks als wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlage der Region. Er verband den Blick auf die lange
Geschichte des Unternehmens Schwarz mit dem Hinweis auf die Bedeutung von Ausbildung und Perspektiven vor Ort und verwies auf die Messe für Beruf, Karriere und Gewerbe im Rhein-Lahn-Kreis. Kurt
Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer Koblenz, ging auf die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage ein, nach der die Mehrheit der Betriebe insgesamt gut aufgestellt sei, und betonte
zugleich, dass gerade beim Thema Bürokratie vieles zu starr sei. Insbesondere die Gründung und Übernahme von Betrieben müsse einfacher werden. Ortsbürgermeister Harald Nöllge stellte die
Bedeutung der Schwarz Fensterbau GmbH für Holzappel heraus und sprach von einem Vorzeigeunternehmen, auf das die Gemeinde stolz sei. Kreishandwerksmeister Johannes Lauer blickte auch aus
persönlicher Erfahrung auf das Meisterdasein und machte deutlich, dass die Kritik an zu komplexen Verfahren berechtigt sei. Gleichzeitig rief er dazu auf, ehrlich und gemeinsam an Lösungen zu
arbeiten und im Alltag konsequent an den Stellschrauben zu drehen.
Das Schlusswort sprach Landesgeschäftsführerin Andrea Belegante. Sie dankte dem Gastgeberbetrieb, den Rednerinnen und Rednern sowie den Gästen und verband ihren Ausblick mit einem Appell an die
Zusammenarbeit von Handwerk, Verbänden und Politik. Der Nachmittag habe gezeigt, wie wichtig Dialog und direkter Austausch sind und wie viel sich bewegen lässt, wenn alle Beteiligten im Gespräch
bleiben. Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zu kollegialem Netzwerken und Gesprächen bei Speisen und Getränken.





