Berufsbildungstagung in Bad Wildungen

Live-Demonstration der digitalen Gesellenprüfung

Die Berufsbildungstagung des Fachverbandes Leben Raum Gestaltung hat am 20. und 21. März 2026 an der Holzfachschule Bad Wildungen über 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Innungen, Betrieben, Berufsschulen und Prüfungsausschüssen zusammengeführt. Auf der jährlich stattfindenden Veranstaltung standen aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Bildung des Tischlerhandwerks in Hessen und Rheinland-Pfalz im Mittelpunkt. Das Programm reichte von bundesweiten Themen der Aus- und Weiterbildung über den Tischler-Schreiner-Campus und die WorldSkills bis hin zur Ausbildungsqualität, zum Lehrlingswettbewerb und zur digitalen Gesellenprüfung. 

Zum Auftakt berichtete André Stock, Ausschussvorsitzender Berufsbildung Rheinland-Pfalz, aus dem Bundesverband über aktuelle Entwicklungen. Vorgestellt wurde auch der aktuelle Stand des Tischler-Schreiner-Campus, der digitalen Plattform für Auszubildende mit Modulen wie Tischler-Schreiner-Test, Maschinenlehrgang, Diisocyanat-Schulung, Werkzeugkasten und Berichtsheft.

Einen weiteren Schwerpunkt setzte der technische Betriebsberater Tobias Wiesing mit seinem Bericht zur Ausbildungsqualität. Vorgestellt wurden Ergebnisse aus mehreren Befragungen von Auszubildenden. Die Auswertung zeigte unter anderem, dass etwa 30 bis 40 Prozent der Auszubildenden im Verlauf ihrer Ausbildung zumindest zeitweise über einen Abbruch nachgedacht haben. Ergänzend stellte Wiesing den Lehrlingswettbewerb als wichtiges Instrument zur Förderung von Gestaltung und Motivation vor. Das diesjährige Motto lautet „Licht & Schatten“.

Aus Sicht der Betriebe setzte der Geschäftsführer der Jehn Schreinerei GmbH & Co. KG Olaf Jehn einen Impuls über die technische Zeichnung als Schlüsselkompetenz in der Ausbildung. In seinem Unternehmen mit 35 Beschäftigten, digitaler Planung und einem breiten Leistungsspektrum von Brandschutztüren bis zu Innenausbau und Objektmöbeln sei technisches Zeichnen eine unverzichtbare Grundlage für Präzision, Abläufe und Qualität. 


Im Anschluss diskutierten Julian Lauth, Geschäftsführer der Holzfreude GmbH, Olaf Jehn, Klaus Weger, Berufsschullehrer in den beruflichen Schulen Bebra und Elmar Scheiff, Studiendirektor bei der Schulleitung der Berufsbildende Schule Germersheim über Möglichkeiten, die Zusammenarbeit beider Lernorte weiterzuentwickeln. Moderiert wurde die Runde unter dem Motto „Berufsschule und Betrieb im Dialog – Ausbildung gemeinsam weiterentwickeln“ von Hauptgeschäftsführerin Andrea Belegante.


Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der digitalen Gesellenprüfung. Landesinnungsmeister Holm Pfeiffer berichtete zunächst über Erfahrungen mit digitalen Prüfungsformaten in anderen Gewerken. Anschließend stellten Tobias Wiesing und Holzfachschul-Dozent Marcel Giersberg den Stand und den Zeitplan für die Einführung im Tischlerhandwerk vor. Nach der Delegiertenversammlung im Juli 2025, einer ersten Arbeitskreissitzung im September und der Information der Innungen im Oktober 2025 ist für März 2027 die erste digitale Zwischenprüfung vorgesehen.

Im Anschluss fand im Auditorium der Holzfachschule eine Live-Demonstration in Form einer Probeprüfung statt. Christian Günter von IQUL stellte die technische Plattform für die digitale Prüfung vor und erläuterte den Prozess der Erstellung, Durchführung und Auswertung von Prüfungen. Als Chancen wurden unter anderem eine höhere Prüfungsqualität durch standardisierte Prozesse, eine stärkere Personenunabhängigkeit in der Bewertung, schnellere Korrekturen und die Einbindung neuer Medien genannt. Herausforderungen sehen die Verantwortlichen in den Einführungskosten, im organisatorischen Mehraufwand sowie in mathematischen Aufgaben und zeichnerischen Anforderungen. 

Johannes Wolff, Diplom-Berufspädagoge und Akademischer Oberrat a.D., vertiefte anschließend die didaktische Seite digitaler Prüfungen. Er betonte die Bedeutung klar formulierter Lernziele, passender Aufgabenformate und sprachsensibel gestalteter Aufgabenstellungen. Sein Fazit: Objektivität, Verlässlichkeit und Gültigkeit blieben die zentralen Maßstäbe guter Prüfungen, unabhängig davon, ob sie auf Papier oder digital stattfinden.  

Zum Abschluss gab Marcel Giersberg einen Ausblick auf die Sommergesellenprüfung 2026. Die Berufsbildungstagung in Bad Wildungen machte deutlich, dass die Verantwortlichen in Hessen und Rheinland-Pfalz die berufliche Bildung im Tischlerhandwerk weiter aktiv gestalten wollen. Besonders die digitale Gesellenprüfung dürfte die kommenden Monate prägen.

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